Heizung · Testbericht

SpeedComfort Control-Sensor im Test: Der Raum wird schneller warm, aber nicht jede Wohnung eignet sich

Vor dem Heizkörper spürst du die Wärme direkt an der Oberfläche. Im Rest des Raums kommt sie langsamer an: Die erwärmte Luft steigt zur Decke, am Boden bleibt es länger kühl. Hier setzt das SpeedComfort-Set an. Zwei Lüfterbalken unter dem Heizkörper blasen die Wärme in den Raum, ein Control-Sensor schaltet sie je nach Temperatur des Heizkörpers von selbst ein und aus. Ich habe das Set in einem Raum mit 20 Quadratmetern ausprobiert.

Zwei SpeedComfort-Lüfterbalken mit Control-Sensor und Netzteil auf einer Schneidunterlage
Das Set mit zwei Lüfterbalken und Control-Sensor · Foto: Holger Becker
Kurzfazit

Im Testraum wurde es mit den Lüftern spürbar schneller warm, die Balken liefen leise und der Aufbau dauerte nur wenige Minuten. Der Stromverbrauch fiel kaum ins Gewicht. Nachteile sind der hohe Preis und der Ausschluss bei Heizkostenverteilern. Sinnvoll ist das Set im Einfamilienhaus oder bei einer Gasetagenheizung mit eigenem Zähler.

Wann du das Set nicht kaufen solltest

Eine Einschränkung vorweg, weil sie über den Kauf entscheidet. Sitzen an deinen Heizkörpern Heizkostenverteiler (HKV) für eine zentrale Abrechnung, lass die Finger vom Lüfter. Der Luftstrom beeinflusst, was der Verteiler misst. Er kann deutlich weniger Einheiten zählen, als der Heizkörper tatsächlich abgibt. Die Differenz zahlen dann die anderen Parteien im Haus.

Unproblematisch ist der Betrieb im eigenen Einfamilienhaus und an einer Gasetagenheizung mit eigenem Zähler.

So arbeitet das Set

SpeedComfort sitzt in Rotterdam, die Firma gibt es seit 2015. Sie entwickelt Zubehör, mit dem sich bestehende Heizungen besser nutzen lassen. Bekanntestes Produkt sind die Lüfterbalken. Im Test kamen zwei davon mit je drei Lüftern zum Einsatz.

Neu ist der Control-Sensor. Er misst die Oberflächentemperatur des Heizkörpers und startet die Lüfter bei etwa 33 bis 35 °C. Fällt die Temperatur auf rund 28 °C, schaltet er sie wieder ab. Die Einschalttemperatur lässt sich verstellen, aber nur in einem kleinen, festen Bereich. Freie Werte kannst du nicht vorgeben.

Schematische Darstellung der Luftzirkulation in einem Raum mit Heizkörper
So soll sich die warme Luft im Raum verteilen · Grafik: Hersteller

Eckdaten

HerstellerSpeedComfort, Rotterdam (Niederlande), gegründet 2015
TestgerätSerienmodell mit zwei Lüfterbalken und Control-Sensor
BefestigungEingebaute Magnete oder mitgelieferte Füße
Anschlüsse5-mm-Hohlstecker (Netzteil, Sensor, Lüfterbalken hintereinander)
Lüfter schalten einbei etwa 33 bis 35 °C Oberflächentemperatur des Heizkörpers
Lüfter schalten ausbei rund 28 °C
Testraum20 m², Standard-Plattenheizkörper

Das liegt im Karton

Im Karton befanden sich zwei Lüfterbalken mit eingebauten Magneten, das Sensor-Modul mit Temperaturfühler und Kabel, ein Netzteil mit Verteilerkabel und Füße als Alternative zu den Magneten. Eine Anleitung lag ebenfalls bei.

Die Balken machen einen hochwertigen Eindruck, und die Magnete halten zuverlässig am Heizkörper. Weil du die Balken frei verschieben kannst, passen sie auch unter längere Heizkörper.

Zwei SpeedComfort-Lüfterbalken mit je drei Lüftern auf einer Unterlage
Die beiden Lüfterbalken mit je drei Lüftern · Foto: Holger Becker
Nahaufnahme eines Lüfters im Lüfterbalken mit Halterung
Nahaufnahme eines Lüfters mit Halterung · Foto: Holger Becker
Control-Sensor mit Anschlusskabel, Steckern und Abdeckung auf einer Unterlage
Control-Sensor mit Kabel und Abdeckung · Foto: Holger Becker
Control-Sensor mit Display und den Tasten Minus, Plus und M neben der abgenommenen Abdeckung
Der Control-Sensor mit Display und drei Tasten · Foto: Holger Becker
Typenschild des mitgelieferten Netzteils
Typenschild des Netzteils · Foto: Holger Becker

Aufbau in wenigen Minuten

Du schiebst die Balken unter den Heizkörper, steckst das Kabel in den Sensor und das Netzteil in die Steckdose. An der Heizungsinstallation änderst du nichts.

Alle Teile hängen hintereinander, vom Netzteil über den Sensor mit Fühler bis zu den Lüfterbalken. Als Stecker dienen durchweg 5-Millimeter-Hohlstecker. Wer keine Magnete möchte, stellt die Balken auf die Füße. An meinem Heizkörper klappte alles auf Anhieb. Bei anderen Modellen soll es laut Hersteller genauso einfach gehen, das habe ich nicht überprüft.

Ein Lüfterbalken wird von Hand unter einen Heizkörper geschoben
Montage unter dem Heizkörper · Foto: Hersteller
Zeichnung eines Lüfterbalkens mit Kabel unter einem Plattenheizkörper
Position unter dem Heizkörper · Zeichnung: Hersteller
Montagezeichnung: Sensor und Lüfterbalken werden am Heizkörper angebracht
Montageschema · Zeichnung: Hersteller

Der Sensor im Betrieb

Wird der Heizkörper warm, laufen die Lüfter an. Kühlt er ab, stoppen sie wieder. Eingreifen musst du dabei nicht.

Eine Hand bedient die Tasten des Control-Sensors, im Hintergrund ein Multimeter
Bedienung des Control-Sensors · Foto: Holger Becker

Was die Lüfter im 20-Quadratmeter-Raum bringen

Getestet habe ich an einem Standard-Plattenheizkörper. Mit laufenden Lüftern war der Raum deutlich schneller warm. Die Wärme verteilte sich nach meinem Eindruck gleichmäßiger, und der Unterschied zwischen Boden und Decke wurde kleiner, weil sich die Luft stärker durchmischte.

Das ist ein subjektiver Eindruck. Die Aufheizzeit habe ich nicht mit der Stoppuhr verglichen, und einen Vergleich über eine ganze Heizperiode leistet dieser Test nicht.

Der Haken: Der Heizkörper heizt öfter nach

Verteilen die Lüfter die Wärme schneller, gibt der Heizkörper sie auch schneller ab und kühlt früher aus. Um die Raumtemperatur zu halten, muss er häufiger nachheizen. Das erhöht die Zahl der Schaltvorgänge etwas. Wie viel Energie du am Ende sparst, hängt deshalb von Heizsystem und Thermostat ab.

Gut abgestimmte Anlagen mit moderner Regelung profitieren eher, bei älteren Anlagen schrumpft der Effekt. Mitunter lässt sich die Vorlauftemperatur um einige Grad senken, und das verringert den Verbrauch der Heizung. Sicher ist die kürzere Aufheizzeit. In meinem Fall überwiegen die Vorteile.

Warum das bei niedriger Vorlauftemperatur besonders wirkt

Sinkt die Vorlauftemperatur, fällt die Leistung eines Heizkörpers überproportional ab. Fachleute beschreiben das mit dem Heizkörperexponenten. Dann trägt die natürliche Konvektion weniger bei, und der Anteil der Strahlungswärme wächst. Die Lüfter erzeugen den fehlenden Luftstrom künstlich. Das ist meine Einschätzung, keine Messung. Am meisten bringt das Set deshalb bei Anlagen mit sehr niedriger Vorlauftemperatur.

Stromverbrauch

Im Standby zeigte mein Energiekostenmessgerät nichts an. Die Lüfter laufen nur bei warmem Heizkörper. Gemessen an der Heizenergie, die das Set einsparen kann, spielt der Strom keine Rolle. Eine Kilowattstunden-Rechnung für eine Heizperiode habe ich nicht aufgestellt.

Fazit

Das Set erfüllt, was es verspricht. Im Testraum wird es schneller warm, die Lüfter bleiben leise, und der Sensor reagiert zuverlässig auf die Temperatur des Heizkörpers. Aufbau und Betrieb sind einfach, der Strom fällt kaum ins Gewicht.

Dagegen stehen drei Punkte. Heizkostenverteiler schließen den Einsatz aus. Der Heizkörper muss häufiger nachheizen, was den Spareffekt je nach Anlage schmälert. Und der Preis ist hoch. Außerdem wünsche ich mir eine bessere Kabelführung und eine kompaktere Sensoreinheit.

Ob sich die Anschaffung für dich lohnt, entscheiden dein Heizsystem und das Verhalten deiner Thermostate. Im Einfamilienhaus oder bei einer Gasetagenheizung mit eigenem Zähler bekommst du schneller warme Räume, bei kaum messbaren Stromkosten.

Pro

  • Aufbau ohne Werkzeug in wenigen Minuten
  • Befestigung mit Magneten oder Füßen
  • Leiser Lauf
  • Raum wird spürbar schneller warm
  • Sehr geringer Stromverbrauch
  • Sensor schaltet zuverlässig nach der Temperatur des Heizkörpers

Contra

  • Hoher Preis
  • Bei Heizkostenverteilern ungeeignet
  • Häufigeres Nachheizen schmälert den Spareffekt
  • Kabelführung und Sensoreinheit könnten besser sein
  • Einschalttemperatur nur in einem kleinen Bereich einstellbar
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Transparenz: Das Testgerät wurde mir vom Hersteller zur Verfügung gestellt.
Holger Becker
Holger Becker

Testet Gadgets im eigenen Testlabor — und glaubt Herstellern erst, wenn er es selbst gemessen hat. Mehr über mich